Warum ein verkaufsfähiges Business für Coachs und Trainer/innen Sinn macht

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Herzlichen Dank, liebe Frau Birkner, dass Sie sich für ein Interview bereiterklärt haben. Sie unterstützen EinzelunternehmerInnen dabei, sich mehr auf Ihre Kernkompetenzen zu fokussieren und damit ein funktionsfähiges „Business“ aufzubauen, das man dann sogar verkaufen kann.

  1.  Können Sie erklären, warum das gerade für Coachs und TrainerInnen eine gute Geschäftsidee sein könnte?

Viele Coaches und TrainerInnen arbeiten nach dem Geschäftsmodell „Zeit gegen Geld“. Doch dieses limitiert in mehrfacher Hinsicht: Urlaub, Krankheit, Weiterbildung usw. sind umsatzlose Zeiten. Weiteres Wachstum ist über kurz oder lang gedeckelt, abhängig vom Tagessatz und der Zahl der Tage.

Und wer keine üppige Altersversorgung hat – und das sind etliche –, muss quasi bis zum Umfallen arbeiten. Er wird nie sein Unternehmen verkaufen können, weil er kein Unternehmen hat, sondern sein Unternehmen ist.

Wer hingegen sein Business schon frühzeitig auf Verkaufsfähigkeit ausrichtet, hat Wahlmöglichkeiten – jederzeit. Das heißt nicht, dass er tatsächlich verkaufen muss. Es geht um die grundsätzliche Weichenstellung.

  1. Wie kamen Sie selbst auf dieses spezielle Gebiet?

Seit Beginn meiner Selbstständigkeit in 2001 berate, coache und unterstütze ich Solo-Unternehmer, darunter viele Coaches und TrainerInnen, ihre Einzigartigkeit noch besser zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen und ein profitables Business darum herum zu bauen.

Die oben erwähnten Schwachpunkte des Zeit-gegen-Geld-Geschäftsmodells waren mir durchaus bewusst. Doch erst, als ich den Vortrag eines Beraters anhörte, klickte es plötzlich. In diesem Vortrag sprach der Berater einen Satz, der bei mir alles veränderte:

„Führen Sie Ihr Unternehmen so, als wollten Sie es morgen verkaufen.“

Dieser Satz bot mir den Schlüssel, nach dem ich lange gesucht hatte.

  1. Das „freedom“ steht ja nicht zufällig im Geschäftsmodell. Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen ja um mehr, als um Geldverdienen. Wieso steigert diese Art von Business Ihrer Meinung nach die Lebensqualität?

„Freedom“ ist ein vielschichtiger Begriff. Er hat zunächst einmal zu tun mit innerer Freiheit: Der Freiheit, selbstständig zu denken und dem eigenen inneren Wissen zu vertrauen.

Er umfasst auch die Freiheit, das Business und die dazu gehörigen Aktivitäten in stimmiger Weise zu gestalten. Und letztlich ist natürlich auch finanzielle Freiheit damit verbunden. 

  1. Können Sie meinen Leserinnen und Lesern kurz erläutern, was sich hinter Ihrem Signature-System verbirgt? Ich kenne die Signature-Stärken nur von dem Optimismusforscher Seligmann, hat das etwas damit zu tun?

Mit dem Test von Prof. Martin Seligman hat das Signature System nicht direkt etwas zu tun. Indirekt schon, weil der Gedanke dahinter steht, dass es etwas gibt, was so kennzeichnend für jemanden ist, dass man es als seine Signatur bezeichnen könnte.

Ich meine mit dem Signature System eine Art und Weise, sich als Experte zu positionieren.

Das Signature System geht davon aus, was man für seine Wunschkunden bewirkt und auf welche Weise, mit welcher Systematik, welchem System. Auch wenn es vielen Coaches und TrainerInnen nicht bewusst ist, liegt ihrer Arbeit in der Regel ein System zugrunde.

Wir machen dieses System bewusst, so dass man es a) noch einmal bewusst gestalten kann und b) sehr viel klarer nach außen kommunizieren kann.

Dadurch werden die Positionierung und alle Marketing-Maßnahmen sehr erleichtert. Denn für den Kunden wird das Ganze dann annähernd so konkret wie ein physisches Produkt.

Wenn er hingegen nur „Coaching“ oder „Vertriebstraining“ kauft, kauft er quasi eine Black Box und lässt sich dann überraschen, was sich darin genau verbirgt.

Außerdem hat ein Signature System den Vorteil, dass sich daraus weitere Produkte ableiten können, die das gesamte Geschäftsmodell stabilisieren und durch die sich ein durchgängiger roter Faden zieht, statt dass es sich um einen Bauchladen handelt.

  1. Sie empfehlen viele englische Bücher. Haben Sie das Gefühl, dass wir aktuell noch Nachholbedarf auf diesem Gebiet haben und uns beispielsweise amerikanische Geschäftsmodelle näher anschauen sollten? Und gleich meine Bedenken hinterher: Lässt sich das alles so einfach übertragen?

Der amerikanische Markt ist uns in vielem voraus, gerade auch was die Businessentwicklung für Coaches und TrainerInnen betrifft. Es lässt sich sehr viel mehr übertragen, als man denkt. Denn letztlich geht es um grundlegende Prinzipien im Geschäftsleben.

Dazu gehört zum Beispiel, dass ein Kunde eine Lösung für sein konkretes Problem sucht oder die Unterstützung zur Erreichung eines konkreten Ziels, ob es nun berufliche Veränderung betrifft, private Beziehungen oder gesündere Ernährung.

Coaching oder Training kann ein Weg dorthin sein. Doch oftmals hat der Kunden noch durchaus andere Alternativen, um sein Ziel zu erreichen.

Was amerikanische Vorgehensweisen oft unterscheidet, ist die Tonalität. Nicht jedem liegt das Überschwängliche und Vollmundige. Doch jeder kann ja – und sollte es auch – in seinem eigenen Stil und auf authentische Art und Weise kommunizieren. Er oder sie muss sich dabei keineswegs an amerikanische Vorbilder halten.

  1. Wenn man sich mit Ihnen auf den Weg machen würde, wie hoch wäre da der zu erwartende technische Anteil beispielsweise in Ihrem aktuellen Coaching-Programm? Das Socialmedia-Marketing ist ja ohne Technik und Anwendung diverser Tools kaum machbar.

Ich betrachte Technik als den besten Freund von Solo-Unternehmern und eine wichtige Unterstützung für Unabhängigkeit. Technik muss heutzutage nicht mehr schwierig sein. Mit jedem Monat kommen neue technische Tools, Plattformen etc. auf den Markt, die auch für technisch nicht so Bewanderte einfach zu erlernen und zu bedienen sind.

Ich selbst bin alles andere als ein Techie. Und ich habe auch viel gelernt und lerne täglich etwas Neues dazu.

Es ist meist eher eine Sache der inneren Einstellung als der tatsächlichen Hürden. An der Technik ist noch keiner meiner Teilnehmer gescheitert. 

  1. Können Sie aktuell ausschließlich in 1:1-Beziehungen tätigen Coachs und in Präsenzseminaren wirkenden Trainern ein oder zwei Tipps für besseren Zeit-Nutzen-Aufwand geben?

Für Coaches kann ein erster Schritt sein, in Gruppen zu arbeiten. Gruppen haben eine ganz eigene Qualität. Ich selbst liebe die Arbeit mit Gruppen sehr. Denn der Gruppenspirit, die Energie in der Gruppe und die praktische Unterstützung untereinander bieten einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Und für den Anbieter können dadurch in einer gegebenen Zeiteinheit höhere Einnahmen entstehen.

Für Trainer kann ein interessanter Schritt sein, virtuelle Angebote mit aufzunehmen. Der Effekt eines Trainings kann zum Beispiel sehr verstärkt werden, wenn es danach noch eine Sequenz von Webinaren gibt oder eine Online-Plattform, die vom Trainer betreut wird. 

  1. Was bereitet Ihnen zur Zeit in Ihrem Tätigkeitsmix ganz persönlich am meisten Freude?

Oh, sehr viel. Am herausragendsten sind zwei Dinge: Zum einen das Wissen, dass ich etwas Großartiges aufbaue, das vielen, vielen Coaches, TrainerInnen und anderen Solo-Unternehmern eine wichtige Hilfe sein wird, das Beste aus sich selbst, ihrem Business und ihrem Leben zu machen.

Darüber hinaus die praktischen Erfahrungen mit den Menschen, mit denen ich speziell in den letzten Wochen und Monaten nach meinem neuen System gearbeitet habe und von denen viele regelrechte Quantensprünge vollzogen haben. Es ist sehr berührend, diese Entwicklungen zu sehen.

Vielen Dank für den Einblick in Ihre Arbeit. Ich glaube, Sie sind eine Vorreiterin in einem Bereich, der für die meisten Coachs, Trainer und Solopreneure in den nächsten Jahren relevant sein wird. Sicher können Sie vielen weiterhelfen, hier die nächsten zeitgemäßen Schritte zu vollziehen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dieser neuen Geschäftsform gemacht? Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

Zur Blog und Website von Monika Birkner

Beitragsbild: © balloon-114115_1920


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